Herzinsuffizienz: Symptome, Ursachen, Formen & Behandlung

Herzinsuffizienz: Symptome, Ursachen, Formen & Behandlung

Herzinsuffizienz: Symptome, Ursachen, Formen und Behandlung einfach erklärt

Die Herzinsuffizienz, umgangssprachlich häufig als Herzschwäche bezeichnet, ist ein komplexes klinisches Syndrom. Dabei ist die Funktion des Herzens so beeinträchtigt, dass typische Beschwerden und klinische Zeichen entstehen können.

Zu den häufigsten Beschwerden gehören Atemnot, verminderte körperliche Belastbarkeit und Müdigkeit. Je nach Form der Herzinsuffizienz können außerdem Flüssigkeitseinlagerungen, geschwollene Beine und weitere Zeichen einer Stauung auftreten.

Für das Verständnis der Erkrankung sind Begriffe wie Linksherzinsuffizienz, Rechtsherzinsuffizienz, Ejektionsfraktion, HFrEF und HFpEF besonders wichtig. In diesem Artikel werden diese Grundlagen Schritt für Schritt erklärt.

Kurz erklärt: Was ist Herzinsuffizienz?

Bei einer Herzinsuffizienz kann das Herz seine Funktion nicht ausreichend an die Bedürfnisse des Organismus anpassen.

Dabei kann beispielsweise die Pumpfunktion vermindert sein oder die Füllung des Herzens beeinträchtigt werden.

Herzerkrankung / Belastung des Herzens
↓
strukturelle oder funktionelle Veränderung
↓
beeinträchtigte Herzfunktion
↓
vermindertes Herzzeitvolumen und/oder erhöhte Füllungsdrücke
↓
Symptome und klinische Zeichen der Herzinsuffizienz

Wichtig: Plötzliche Atemnot kann ein medizinischer Notfall sein

Eine Herzinsuffizienz kann sich akut verschlechtern. Plötzlich auftretende oder schwere Atemnot, ausgeprägte Brustschmerzen, Bewusstseinsstörungen, eine bläuliche Verfärbung von Lippen oder Haut oder eine rasche deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustands können eine sofortige medizinische Beurteilung erforderlich machen.

Bei möglichen Zeichen eines akuten Herz-Kreislauf-Notfalls sollte unverzüglich der örtliche Rettungsdienst verständigt werden.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Herzinsuffizienz ist ein klinisches Syndrom und nicht lediglich eine einzelne Erkrankung.
  • Typische Beschwerden sind Atemnot, Müdigkeit und verminderte Belastbarkeit.
  • Flüssigkeitsretention kann zu Ödemen und Gewichtszunahme führen.
  • Herzinsuffizienz kann akut auftreten oder chronisch verlaufen.
  • Es können die linke, die rechte oder beide Herzhälften betroffen sein.
  • Die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) ist ein wichtiger Parameter zur Charakterisierung der Herzfunktion.
  • Eine erhaltene Ejektionsfraktion schließt eine Herzinsuffizienz nicht aus.
  • Koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Hypertonie, Herzklappenerkrankungen und Kardiomyopathien können zu Herzinsuffizienz beitragen.
  • BNP beziehungsweise NT-proBNP und Echokardiographie spielen eine wichtige Rolle in der Diagnostik.
  • Die Behandlung richtet sich nach Ursache, Herzinsuffizienz-Phänotyp, Symptomen und Begleiterkrankungen.

1. Was ist Herzinsuffizienz?

Eine Herzinsuffizienz entsteht, wenn strukturelle oder funktionelle Veränderungen des Herzens seine Fähigkeit beeinträchtigen, den Kreislauf angemessen aufrechtzuerhalten.

Dabei geht es nicht ausschließlich darum, ob das Herz „stark genug pumpt“. Auch eine gestörte Entspannung und Füllung des Herzens kann zu einer Herzinsuffizienz beitragen.

Deshalb ist der häufig verwendete Begriff Herzschwäche zwar anschaulich, medizinisch jedoch vereinfacht.

Herzinsuffizienz bedeutet nicht Herzstillstand

Bei einer Herzinsuffizienz arbeitet das Herz weiterhin. Seine Funktion ist jedoch so beeinträchtigt, dass der Kreislauf nicht mehr ausreichend an die Bedürfnisse des Körpers angepasst werden kann. Ein Herzstillstand ist dagegen ein akuter Notfall, bei dem keine wirksame Kreislauffunktion mehr besteht.

2. Warum führt Herzinsuffizienz zu Beschwerden?

Eine zentrale Aufgabe des Herzens besteht darin, Blut durch den Kreislauf zu pumpen und dadurch die Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen.

Ein wichtiger physiologischer Begriff ist das Herzzeitvolumen.

Herzzeitvolumen = Herzfrequenz × Schlagvolumen

Das Schlagvolumen beschreibt vereinfacht die Blutmenge, die das Herz bei einem Herzschlag auswirft.

Kann das Herz seine Auswurfleistung nicht ausreichend anpassen, können Organe und Gewebe weniger effektiv durchblutet werden.

Gleichzeitig können erhöhte Füllungsdrücke dazu führen, dass sich Blut vor dem Herzen zurückstaut. Dadurch kann Flüssigkeit aus den Gefäßen in das Gewebe übertreten.

Beeinträchtigte Herzfunktion
↓
verminderte Vorwärtsleistung und/oder erhöhte Füllungsdrücke
↓
Minderperfusion + Stauung
↓
typische Beschwerden der Herzinsuffizienz

3. Welche Ursachen kann eine Herzinsuffizienz haben?

Herzinsuffizienz kann durch zahlreiche kardiovaskuläre und andere Erkrankungen verursacht oder begünstigt werden.

Zu wichtigen möglichen Ursachen und zugrunde liegenden Erkrankungen gehören:

  • koronare Herzkrankheit,
  • früherer Herzinfarkt,
  • arterielle Hypertonie,
  • Kardiomyopathien,
  • Herzklappenerkrankungen,
  • Herzrhythmusstörungen,
  • angeborene Herzerkrankungen,
  • entzündliche Erkrankungen des Herzmuskels,
  • bestimmte metabolische oder systemische Erkrankungen.

Auch Nierenerkrankungen, Diabetes, Adipositas und andere Begleiterkrankungen können für Entstehung, Verlauf und Behandlung einer Herzinsuffizienz relevant sein.

Mögliche Ursache Möglicher Zusammenhang
Koronare Herzkrankheit / Herzinfarkt Ischämische Schädigung des Herzmuskels
Arterielle Hypertonie Langfristig erhöhte Druckbelastung des Herzens
Herzklappenerkrankung Druck- oder Volumenbelastung der Herzkammern
Kardiomyopathie Primäre oder sekundäre Erkrankung des Herzmuskels
Herzrhythmusstörung Kann die effektive Herzleistung beeinträchtigen

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4. Was ist eine Linksherzinsuffizienz?

Bei der Linksherzinsuffizienz steht eine Funktionsstörung der linken Herzhälfte im Vordergrund.

Der linke Ventrikel nimmt sauerstoffreiches Blut aus dem linken Vorhof auf und pumpt es über die Aorta in den Körperkreislauf.

Ist diese Funktion beeinträchtigt, kann die Vorwärtsleistung sinken. Gleichzeitig können die Drücke im linken Herzen und im Lungenkreislauf ansteigen.

Dadurch können pulmonale Stauungszeichen entstehen.

Linksventrikuläre Funktionsstörung
↓
erhöhte linksseitige Füllungsdrücke
↓
Rückstau in Richtung Lungenkreislauf
↓
pulmonale Stauung
↓
Atemnot

Mögliche Beschwerden einer Linksherzinsuffizienz sind unter anderem:

  • Atemnot bei Belastung,
  • Atemnot in Ruhe bei fortgeschrittener Erkrankung,
  • Atemnot im Liegen,
  • nächtliche Atembeschwerden,
  • Müdigkeit,
  • verminderte körperliche Leistungsfähigkeit.

5. Was ist eine Rechtsherzinsuffizienz?

Bei einer Rechtsherzinsuffizienz ist die Funktion der rechten Herzhälfte beeinträchtigt.

Die rechte Herzkammer pumpt venöses Blut in den Lungenkreislauf. Bei einer Rechtsherzinsuffizienz kann es zu einem Rückstau in den systemischen venösen Kreislauf kommen.

Mögliche Folgen sind:

  • periphere Ödeme, insbesondere an Füßen und Unterschenkeln,
  • Gewichtszunahme durch Flüssigkeitsretention,
  • sichtbare beziehungsweise erhöhte Halsvenenfüllung,
  • abdominelle Stauungsbeschwerden,
  • Appetitlosigkeit oder Übelkeit bei ausgeprägter Stauung.

Eine häufige Ursache einer Rechtsherzinsuffizienz ist eine bereits bestehende Linksherzinsuffizienz, die über erhöhte Drücke im Lungenkreislauf auch die rechte Herzhälfte belastet.

Linksherzinsuffizienz Rechtsherzinsuffizienz
Linke Herzhälfte im Vordergrund Rechte Herzhälfte im Vordergrund
Stauung kann sich im Lungenkreislauf bemerkbar machen Stauung kann sich im systemischen Venensystem bemerkbar machen
Atemnot häufig besonders relevant Periphere Ödeme häufig besonders relevant

6. Welche Symptome treten bei Herzinsuffizienz auf?

Die Beschwerden können abhängig von Ursache, Schweregrad und betroffener Herzhälfte unterschiedlich sein.

Zu den häufigen Symptomen einer Herzinsuffizienz gehören:

  • Atemnot,
  • verminderte körperliche Belastbarkeit,
  • Müdigkeit und Schwäche,
  • geschwollene Knöchel oder Beine,
  • Gewichtszunahme durch Flüssigkeitsretention,
  • Atemnot beim flachen Liegen,
  • nächtliche Atembeschwerden,
  • Husten,
  • Appetitlosigkeit oder Übelkeit bei Stauung.

Warum entsteht Atemnot?

Bei erhöhten Drücken im linken Herzen kann sich Blut in Richtung Lungenkreislauf zurückstauen.

Dadurch kann Flüssigkeit in das Lungengewebe übertreten und der Gasaustausch kann beeinträchtigt werden. Dies kann das Gefühl von Atemnot verursachen oder verstärken.

Warum entstehen Ödeme?

Bei venöser Stauung steigt der hydrostatische Druck in den Gefäßen. Dadurch kann vermehrt Flüssigkeit aus dem Gefäßsystem in das Interstitium gelangen.

Zusätzlich aktiviert eine verminderte effektive Kreislaufleistung neurohormonelle Mechanismen, die Natrium- und Wasserretention fördern können.

Venöse Stauung + Flüssigkeitsretention
↓
Flüssigkeit im Interstitium
↓
Ödeme

7. Akute oder chronische Herzinsuffizienz: Was ist der Unterschied?

Herzinsuffizienz kann sowohl akut als auch chronisch auftreten.

Akute Herzinsuffizienz Chronische Herzinsuffizienz
Neue oder rasch zunehmende Symptome Langfristig bestehendes klinisches Syndrom
Kann eine dringende stationäre Behandlung erforderlich machen Langfristige Therapie und Verlaufskontrolle erforderlich
Kann erstmals auftreten oder eine bestehende Herzinsuffizienz verschlechtern Kann Phasen relativer Stabilität und Verschlechterungen aufweisen
Dekompensation

Wenn sich eine zuvor bestehende Herzinsuffizienz deutlich verschlechtert und Stauung oder andere Symptome zunehmen, wird häufig von einer Dekompensation gesprochen. Eine solche Verschlechterung erfordert eine zeitnahe medizinische Beurteilung.

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8. Was ist die Ejektionsfraktion?

Die Ejektionsfraktion (EF) ist ein wichtiger Parameter zur Beschreibung der Pumpfunktion des Herzens.

In der Herzinsuffizienzdiagnostik ist insbesondere die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) relevant.

Sie beschreibt den prozentualen Anteil des enddiastolisch im linken Ventrikel vorhandenen Blutvolumens, der während der Systole ausgeworfen wird.

Ejektionsfraktion = Schlagvolumen ÷ enddiastolisches Volumen × 100

Eine reduzierte Ejektionsfraktion kann auf eine eingeschränkte systolische Funktion hinweisen.

Wichtig ist jedoch:

Eine erhaltene Ejektionsfraktion schließt Herzinsuffizienz nicht aus

Patientinnen und Patienten können Symptome und objektive Zeichen einer Herzinsuffizienz aufweisen, obwohl die linksventrikuläre Ejektionsfraktion erhalten ist. Die Ejektionsfraktion ist daher nur ein Bestandteil der Gesamtbeurteilung.

9. HFrEF und HFpEF: Welche Formen der Herzinsuffizienz gibt es?

Herzinsuffizienz kann anhand der linksventrikulären Ejektionsfraktion in verschiedene Phänotypen eingeteilt werden.

Die ESC-Leitlinie 2026 hat diese Einteilung aktualisiert und vereinfacht.

Form Abkürzung LVEF nach ESC 2026
Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion HFrEF < 50 %
Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion HFpEF ≥ 50 %
Hinweis für Lernende: Die Klassifikation wurde 2026 geändert

In älteren Lehrbüchern und Leitlinien finden Sie häufig noch drei Kategorien:

  • HFrEF bei LVEF ≤ 40 %,
  • HFmrEF bei LVEF 41–49 %,
  • HFpEF bei LVEF ≥ 50 %.

Die ESC-Leitlinie 2026 hat den eigenständigen Phänotyp HFmrEF entfernt und verwendet einen Grenzwert von 50 % zwischen HFrEF und HFpEF. Bei Prüfungen oder in der klinischen Dokumentation sollte deshalb beachtet werden, auf welche Leitlinie beziehungsweise Klassifikation Bezug genommen wird.

HFrEF

Bei HFrEF ist die linksventrikuläre Ejektionsfraktion reduziert. Eine eingeschränkte systolische Funktion spielt dabei eine wesentliche Rolle.

HFpEF

Bei HFpEF ist die Ejektionsfraktion erhalten. Dennoch können beispielsweise erhöhte Füllungsdrücke und eine gestörte diastolische Funktion vorliegen.

HFpEF verdeutlicht deshalb besonders gut, warum Herzinsuffizienz nicht einfach mit einer „niedrigen Ejektionsfraktion“ gleichgesetzt werden darf.

10. Wie versucht der Körper, Herzinsuffizienz zu kompensieren?

Wenn die Herzleistung abnimmt, versucht der Organismus zunächst, die Durchblutung lebenswichtiger Organe aufrechtzuerhalten.

Dazu werden verschiedene neurohormonelle Systeme aktiviert.

Sympathisches Nervensystem

Eine Aktivierung des sympathischen Nervensystems kann unter anderem die Herzfrequenz erhöhen und eine Vasokonstriktion fördern.

Renin-Angiotensin-Aldosteron-System

Das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) trägt unter anderem zur Regulation von Blutdruck sowie Natrium- und Wasserhaushalt bei.

Bei Herzinsuffizienz kann seine Aktivierung zu Natrium- und Wasserretention sowie zu Veränderungen des Gefäßtonus beitragen.

Kurzfristig können solche Mechanismen helfen, den Kreislauf zu stabilisieren. Eine langfristige neurohormonelle Aktivierung kann jedoch die Herzbelastung erhöhen und strukturelle Veränderungen fördern.

verminderte effektive Kreislaufleistung
↓
neurohormonelle Aktivierung
↓
Vasokonstriktion + Natrium-/Wasserretention
↓
kurzfristige Kreislaufunterstützung
↓
langfristig potenziell zusätzliche Herzbelastung

11. Wie wird Herzinsuffizienz diagnostiziert?

Die Diagnose einer Herzinsuffizienz beruht nicht auf einem einzelnen Symptom oder einem einzelnen Laborwert.

Die medizinische Beurteilung kann unter anderem umfassen:

  • Anamnese und Symptomerfassung,
  • körperliche Untersuchung,
  • Blutdruck und Herzfrequenz,
  • Elektrokardiogramm (EKG),
  • Laboruntersuchungen,
  • BNP oder NT-proBNP,
  • Echokardiographie,
  • gegebenenfalls weitere Bildgebung und Untersuchungen zur Ursachenklärung.

Körperliche Untersuchung

Dabei können beispielsweise Hinweise auf Stauung oder eine beeinträchtigte Kreislauffunktion gesucht werden.

Je nach Situation können unter anderem relevant sein:

  • periphere Ödeme,
  • Halsvenenfüllung,
  • Lungenbefunde,
  • Herzgeräusche,
  • Herzfrequenz und Rhythmus,
  • Blutdruck,
  • Körpergewicht.

12. Welche Bedeutung haben BNP und NT-proBNP?

BNP und NT-proBNP gehören zu den natriuretischen Peptiden. Ihre Konzentrationen können bei erhöhter Belastung beziehungsweise Wandspannung des Herzens ansteigen.

Sie werden deshalb häufig im Rahmen der Diagnostik einer vermuteten Herzinsuffizienz bestimmt.

Ein Laborwert wird immer im klinischen Kontext interpretiert

BNP- und NT-proBNP-Werte können durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden. Alter, Nierenfunktion, Herzrhythmus und andere Erkrankungen können bei der Interpretation relevant sein. Ein einzelner Wert ersetzt deshalb nicht die vollständige klinische Beurteilung.

13. Welche Rolle spielt die Echokardiographie?

Die Echokardiographie gehört zu den zentralen bildgebenden Untersuchungen bei Verdacht auf Herzinsuffizienz.

Mit ihr können unter anderem beurteilt werden:

  • Größe der Herzkammern,
  • linksventrikuläre Ejektionsfraktion,
  • regionale und globale Wandbewegung,
  • Herzklappen,
  • rechtsventrikuläre Funktion,
  • Hinweise auf strukturelle Herzerkrankungen,
  • weitere hämodynamische Parameter.

Die Echokardiographie hilft damit sowohl bei der Diagnose als auch bei der Charakterisierung der Herzinsuffizienz und der Suche nach möglichen Ursachen.

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14. Wie wird Herzinsuffizienz behandelt?

Die Behandlung einer Herzinsuffizienz richtet sich nach der Ursache, dem Herzinsuffizienz-Phänotyp, den Symptomen, Begleiterkrankungen und der individuellen klinischen Situation.

Grundsätzlich können mehrere Therapiebausteine kombiniert werden:

  • Behandlung der zugrunde liegenden Ursache,
  • Behandlung kardiovaskulärer Risikofaktoren,
  • medikamentöse Therapie,
  • Behandlung von Flüssigkeitsretention und Stauung,
  • Lebensstil- und Selbstmanagementmaßnahmen,
  • Behandlung relevanter Begleiterkrankungen,
  • bei ausgewählten Patienten spezielle Geräte oder interventionelle beziehungsweise chirurgische Verfahren.
Therapiebereich Allgemeines Ziel
Ursachenbehandlung Behandelbare Auslöser und Grunderkrankungen adressieren
Medikamente Prognose, Symptome und/oder Stauung entsprechend dem Phänotyp beeinflussen
Diuretische Therapie Flüssigkeitsretention und Stauungsbeschwerden reduzieren
Geräte / Interventionen Bei ausgewählten Patientinnen und Patienten spezifische Risiken oder Ursachen behandeln
Verlaufskontrolle Symptome, Organfunktion und Therapie regelmäßig neu beurteilen

15. Welche Medikamente können bei Herzinsuffizienz eingesetzt werden?

Die medikamentöse Behandlung unterscheidet sich je nach Form der Herzinsuffizienz. Insbesondere bei HFrEF stehen mehrere Wirkstoffgruppen zur Verfügung, die unterschiedliche pathophysiologische Mechanismen beeinflussen.

Je nach individueller Situation können unter anderem folgende Medikamentengruppen eine Rolle spielen:

  • Medikamente, die das Renin-Angiotensin-System beziehungsweise das neurohormonelle System beeinflussen,
  • Betablocker,
  • Mineralokortikoid-Rezeptorantagonisten,
  • SGLT2-Hemmer,
  • Diuretika zur Behandlung von Flüssigkeitsretention und Stauung,
  • weitere Medikamente bei spezifischen Indikationen und Begleiterkrankungen.

Bei HFpEF sind neben einer geeigneten medikamentösen Behandlung insbesondere auch die Kontrolle von Stauung sowie die Behandlung relevanter Begleiterkrankungen wichtige Bestandteile des Managements.

Herzinsuffizienzmedikamente nicht eigenständig verändern

Die Auswahl und Dosierung von Herzinsuffizienzmedikamenten hängt unter anderem von Herzfunktion, Blutdruck, Herzfrequenz, Nierenfunktion, Kaliumwerten, Begleiterkrankungen und Verträglichkeit ab. Medikamente sollten deshalb nicht ohne medizinische Rücksprache begonnen, abgesetzt oder in ihrer Dosis verändert werden.

16. Was wird bei Herzinsuffizienz überwacht?

Herzinsuffizienz erfordert eine regelmäßige klinische Neubewertung. Dabei können je nach individueller Situation verschiedene Parameter relevant sein.

  • Symptome und Belastbarkeit,
  • Körpergewicht,
  • Blutdruck,
  • Herzfrequenz und Herzrhythmus,
  • Ödeme und andere Stauungszeichen,
  • Nierenfunktion,
  • Elektrolyte wie Natrium und Kalium,
  • Medikamentenverträglichkeit,
  • gegebenenfalls Verlauf der Herzfunktion.

Warum kann das Körpergewicht wichtig sein?

Eine Zunahme der Flüssigkeitsmenge im Körper kann zu einer Gewichtszunahme führen. Veränderungen des Körpergewichts können deshalb im klinischen Kontext Hinweise auf eine veränderte Flüssigkeitsbalance geben.

Gewichtsveränderungen haben jedoch viele mögliche Ursachen und müssen zusammen mit Symptomen und weiteren klinischen Befunden interpretiert werden.

Warum werden Nierenfunktion und Elektrolyte kontrolliert?

Herz, Nieren und Flüssigkeitshaushalt sind eng miteinander verbunden. Sowohl die Herzinsuffizienz selbst als auch verschiedene Medikamente können Nierenfunktion und Elektrolythaushalt beeinflussen.

Deshalb können beispielsweise Kreatinin, geschätzte glomeruläre Filtrationsrate, Natrium und Kalium im Verlauf wichtig sein.

17. Herzinsuffizienz leichter lernen

Für die medizinische Ausbildung lässt sich die Pathophysiologie der Herzinsuffizienz gut als Ursache-Wirkungs-Kette lernen.

Herzerkrankung
↓
Funktionsstörung des Herzens
↓
verminderte Vorwärtsleistung / erhöhte Füllungsdrücke
↓
neurohormonelle Kompensation + Stauung
↓
Atemnot + Müdigkeit + Ödeme

6 Fragen zur Herzinsuffizienz

  1. Was ist betroffen? – Die Funktion des Herzens und damit der Kreislauf.
  2. Welche Hauptprobleme entstehen? – Verminderte Vorwärtsleistung und/oder erhöhte Füllungsdrücke.
  3. Welche Symptome sind typisch? – Atemnot, Müdigkeit und verminderte Belastbarkeit.
  4. Was spricht für Stauung? – Beispielsweise Ödeme und Flüssigkeitsretention.
  5. Wie wird die Herzfunktion charakterisiert? – Unter anderem mithilfe der Ejektionsfraktion und Echokardiographie.
  6. Was ist das Therapieziel? – Symptome und Stauung reduzieren, zugrunde liegende Erkrankungen behandeln und den Krankheitsverlauf entsprechend der individuellen Situation verbessern.

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Häufige Fragen zur Herzinsuffizienz

Was ist eine Herzinsuffizienz?

Herzinsuffizienz ist ein klinisches Syndrom, bei dem eine gestörte Herzfunktion zu typischen Symptomen und gegebenenfalls klinischen Zeichen führt. Dabei kann sowohl die Pump- als auch die Füllungsfunktion des Herzens beeinträchtigt sein.

Welche Symptome sind bei Herzinsuffizienz typisch?

Häufige Symptome sind Atemnot, Müdigkeit und eine verminderte körperliche Belastbarkeit. Bei Flüssigkeitsretention können außerdem geschwollene Knöchel oder Beine und eine Gewichtszunahme auftreten.

Was ist eine Linksherzinsuffizienz?

Bei einer Linksherzinsuffizienz ist die Funktion der linken Herzhälfte beeinträchtigt. Erhöhte linksseitige Füllungsdrücke können zu einer Stauung im Lungenkreislauf beitragen, wodurch unter anderem Atemnot entstehen kann.

Was ist eine Rechtsherzinsuffizienz?

Bei einer Rechtsherzinsuffizienz steht eine Funktionsstörung der rechten Herzhälfte im Vordergrund. Ein Rückstau in den systemischen venösen Kreislauf kann unter anderem zu peripheren Ödemen führen.

Was bedeutet HFrEF?

HFrEF steht für „Heart Failure with Reduced Ejection Fraction“, also Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion. Nach der ESC-Klassifikation 2026 wird HFrEF mit einer LVEF unter 50 % definiert.

Was bedeutet HFpEF?

HFpEF bedeutet „Heart Failure with Preserved Ejection Fraction“. Die Ejektionsfraktion ist dabei erhalten, dennoch liegen Symptome und objektive Befunde einer Herzinsuffizienz vor. Nach der ESC-Klassifikation 2026 liegt die LVEF bei mindestens 50 %.

Was bedeuten BNP und NT-proBNP?

BNP und NT-proBNP sind Biomarker, deren Konzentrationen bei kardialer Belastung erhöht sein können. Sie werden zusammen mit der klinischen Beurteilung und weiteren Untersuchungen zur Abklärung einer möglichen Herzinsuffizienz verwendet.

Kann Herzinsuffizienz geheilt werden?

Der Verlauf hängt stark von Ursache und Form der Herzinsuffizienz ab. Viele Formen sind langfristige Erkrankungen. Moderne Behandlungen können Symptome, Lebensqualität, Krankenhausaufnahmen und bei geeigneten Patientengruppen auch die Prognose beeinflussen. Behandelbare Ursachen sollten gezielt identifiziert werden.

Fazit

Die Herzinsuffizienz ist ein komplexes klinisches Syndrom, das durch unterschiedliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursacht werden kann.

Zu den wichtigsten Beschwerden gehören Atemnot, Müdigkeit und verminderte körperliche Belastbarkeit. Flüssigkeitsretention und erhöhte venöse Drücke können zusätzlich zu Ödemen und anderen Stauungszeichen führen.

Für das Verständnis der Herzinsuffizienz ist die Unterscheidung zwischen Links- und Rechtsherzinsuffizienz sowie zwischen unterschiedlichen Phänotypen anhand der linksventrikulären Ejektionsfraktion wichtig.

Die Diagnose basiert auf der Kombination aus klinischer Beurteilung, Laboruntersuchungen und kardialer Bildgebung. Besonders wichtig sind dabei häufig BNP beziehungsweise NT-proBNP und die Echokardiographie.

Die Therapie wird individuell an Ursache, Herzfunktion, Symptome, Begleiterkrankungen und klinischen Verlauf angepasst.

Kardiovaskuläre Erkrankungen weiterlernen

Dieser Artikel ist Teil unseres deutschsprachigen Lernclusters über kardiovaskuläre Erkrankungen.

→ Kardiovaskuläre Erkrankungen: Arten, Symptome, Risikofaktoren und Prävention

→ Koronare Herzkrankheit (KHK): Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung

→ Herzrhythmusstörungen: Arten, Symptome und Vorhofflimmern

→ Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Risiken, Folgen und Prävention

→ Zum medizinischen Wissenszentrum

Medizinische Quellen und weiterführende Literatur

Die medizinischen Grundlagen dieses Lernartikels orientieren sich unter anderem an folgenden Fachquellen:

  1. European Society of Cardiology (ESC) – 2026 Guidelines for the Management of Heart Failure. Aktuelle europäische Leitlinie zur Definition, Klassifikation, Diagnostik und Behandlung der Herzinsuffizienz.
    ESC – Heart Failure Guidelines
  2. European Society of Cardiology – 2026 Patient Guidelines: Heart Failure. Patientenorientierte Zusammenfassung der aktuellen ESC-Empfehlungen zur Herzinsuffizienz.
    ESC – Patient Guidelines Heart Failure
  3. National Heart, Lung, and Blood Institute (NHLBI) – Heart Failure. Überblick über Definition, Ursachen und Grundlagen der Herzinsuffizienz.
    NHLBI – Heart Failure
  4. NHLBI – Heart Failure: Causes and Risk Factors. Informationen zu Ursachen und Risikofaktoren der Herzinsuffizienz.
    NHLBI – Causes and Risk Factors
  5. NHLBI – Heart Failure: Symptoms. Überblick über mögliche Symptome der Links- und Rechtsherzinsuffizienz.
    NHLBI – Heart Failure Symptoms
  6. NHLBI – Heart Failure: Diagnosis. Informationen über Ejektionsfraktion, Blutuntersuchungen, Echokardiographie und weitere diagnostische Verfahren.
    NHLBI – Heart Failure Diagnosis
  7. NHLBI – Heart Failure: Treatment. Überblick über Lebensstil, Medikamente und weitere Behandlungsmöglichkeiten.
    NHLBI – Heart Failure Treatment

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen medizinischen Aus- und Weiterbildung und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Herzinsuffizienz ist eine ernsthafte Erkrankung, deren Diagnostik, Klassifikation und Therapie individuell durch qualifizierte medizinische Fachpersonen erfolgen müssen. Bei plötzlich auftretender oder schwerer Atemnot, Brustschmerzen, Bewusstseinsstörungen, bläulicher Verfärbung oder einer raschen deutlichen Verschlechterung des Allgemeinzustands sollte unverzüglich der örtliche Rettungsdienst verständigt werden.

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