Herzrhythmusstörungen: Arten, Symptome & Vorhofflimmern

Herzrhythmusstörungen: Arten, Symptome & Vorhofflimmern

Herzrhythmusstörungen: Arten, Symptome und Vorhofflimmern einfach erklärt

Unser Herz schlägt normalerweise in einem koordinierten Rhythmus, der durch das elektrische Reizbildungs- und Reizleitungssystem des Herzens gesteuert wird. Wird die Bildung oder Weiterleitung dieser elektrischen Impulse gestört, können Herzrhythmusstörungen entstehen.

Das Herz kann dabei zu schnell, zu langsam oder unregelmäßig schlagen. Manche Arrhythmien sind vorübergehend und verursachen kaum Beschwerden, andere können die Kreislauffunktion beeinträchtigen oder mit ernsten Komplikationen verbunden sein.

Eine besonders wichtige Form ist das Vorhofflimmern. Dabei entsteht eine ungeordnete elektrische Aktivität in den Vorhöfen. Vorhofflimmern kann ohne Symptome auftreten, aber auch Herzklopfen, Müdigkeit, Atemnot oder Schwindel verursachen und ist insbesondere wegen des erhöhten thromboembolischen Risikos klinisch relevant.

Kurz erklärt: Was sind Herzrhythmusstörungen?

Eine Herzrhythmusstörung oder Arrhythmie liegt vor, wenn die normale Frequenz oder der normale Rhythmus des Herzschlags gestört ist.

Begriff Vereinfacht erklärt
Tachykardie Ungewöhnlich schneller Herzschlag
Bradykardie Ungewöhnlich langsamer Herzschlag
Extrasystolen Zusätzliche beziehungsweise vorzeitige Herzschläge
Vorhofflimmern Ungeordnete elektrische Aktivität der Vorhöfe mit häufig unregelmäßigem Herzschlag
Wichtig: Nicht jede Herzrhythmusstörung ist harmlos

Herzrhythmusstörungen können sehr unterschiedliche Ursachen und klinische Bedeutungen haben. Beschwerden wie starke Brustschmerzen, schwere Atemnot, Bewusstlosigkeit, neurologische Ausfälle oder Kreislaufstillstand können auf einen medizinischen Notfall hinweisen.

Bei möglichen Zeichen eines akuten Herz-Kreislauf- oder Schlaganfallnotfalls sollte unverzüglich der örtliche Rettungsdienst verständigt werden.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Eine Arrhythmie ist eine Störung der Herzfrequenz oder des Herzrhythmus.
  • Das Herz kann zu schnell, zu langsam oder unregelmäßig schlagen.
  • Herzrhythmusstörungen können in den Vorhöfen oder Herzkammern entstehen.
  • Mögliche Beschwerden sind Herzklopfen, Herzrasen, Schwindel, Schwäche, Atemnot oder Synkopen.
  • Einige Arrhythmien verursachen überhaupt keine bemerkbaren Symptome.
  • Das EKG ist eine zentrale diagnostische Untersuchung.
  • Vorhofflimmern ist eine besonders häufige und klinisch wichtige Arrhythmie.
  • Bei Vorhofflimmern muss unter anderem das individuelle Risiko für Schlaganfall und Thromboembolien beurteilt werden.
  • Die Behandlung kann je nach Arrhythmie Medikamente, Kardioversion, Katheterablation oder implantierbare Geräte umfassen.
  • Therapie und Risikobewertung müssen individuell erfolgen.

1. Was sind Herzrhythmusstörungen?

Unter dem Begriff Herzrhythmusstörungen werden verschiedene Störungen der Frequenz oder des Rhythmus des Herzschlags zusammengefasst.

Ein Herz kann beispielsweise:

  • ungewöhnlich schnell schlagen,
  • ungewöhnlich langsam schlagen,
  • unregelmäßig schlagen,
  • vorzeitige zusätzliche Schläge zeigen,
  • oder eine Kombination verschiedener Rhythmusstörungen aufweisen.

Nicht jede Veränderung der Herzfrequenz ist automatisch krankhaft. Bei körperlicher Belastung steigt die Herzfrequenz physiologisch an, während sie im Schlaf oder bei gut trainierten Menschen niedriger sein kann.

Für die Beurteilung einer möglichen Arrhythmie sind deshalb unter anderem Rhythmus, Frequenz, Beschwerden, Dauer, klinische Situation und zugrunde liegende Herzerkrankungen relevant.

2. Wie entsteht der normale Herzrhythmus?

Damit sich die Herzkammern koordiniert zusammenziehen, verfügt das Herz über ein eigenes elektrisches Reizbildungs- und Reizleitungssystem.

Sinusknoten

Der Sinusknoten befindet sich im rechten Vorhof und fungiert normalerweise als natürlicher Schrittmacher des Herzens.

Von dort breitet sich die elektrische Erregung über die Vorhöfe aus. Dadurch kontrahieren die Vorhöfe und transportieren Blut in die Herzkammern.

AV-Knoten

Anschließend erreicht die elektrische Erregung den Atrioventrikularknoten, kurz AV-Knoten.

Er stellt eine wichtige elektrische Verbindung zwischen Vorhöfen und Herzkammern dar und verzögert die Erregungsweiterleitung kurz.

His-Purkinje-System

Danach wird die Erregung über das His-Bündel, die Tawara-Schenkel und die Purkinje-Fasern in die Herzkammern weitergeleitet.

Sinusknoten
↓
Vorhöfe
↓
AV-Knoten
↓
His-Bündel
↓
Tawara-Schenkel
↓
Purkinje-Fasern
↓
koordinierte Kammerkontraktion

Störungen bei der Bildung oder Weiterleitung dieser elektrischen Impulse können zu unterschiedlichen Herzrhythmusstörungen führen.

3. Welche Arten von Herzrhythmusstörungen gibt es?

Arrhythmien können auf unterschiedliche Weise klassifiziert werden. Eine einfache Einteilung berücksichtigt die Herzfrequenz und den Ursprungsort der Rhythmusstörung.

Form Grundprinzip Beispiele
Tachyarrhythmie Zu schneller Herzrhythmus Supraventrikuläre Tachykardie, ventrikuläre Tachykardie
Bradyarrhythmie Zu langsamer Herzrhythmus Sinusknotendysfunktion, bestimmte AV-Blockierungen
Supraventrikuläre Arrhythmie Ursprung oberhalb der Herzkammern Vorhofflimmern, Vorhofflattern, bestimmte SVT
Ventrikuläre Arrhythmie Ursprung in den Herzkammern Ventrikuläre Tachykardie, Kammerflimmern
Extrasystolen Vorzeitige zusätzliche Erregungen Supraventrikuläre oder ventrikuläre Extrasystolen

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4. Was ist eine Tachykardie?

Als Tachykardie wird ein beschleunigter Herzschlag bezeichnet. Entscheidend ist jedoch der klinische Zusammenhang.

Eine erhöhte Herzfrequenz kann beispielsweise bei körperlicher Belastung eine normale physiologische Reaktion sein.

Pathologische Tachykardien können dagegen durch eine abnorme Impulsbildung oder eine gestörte elektrische Erregungsleitung entstehen.

Je nach Ursprungsort unterscheidet man unter anderem:

  • supraventrikuläre Tachykardien mit Ursprung oberhalb der Herzkammern,
  • ventrikuläre Tachykardien mit Ursprung in den Herzkammern.

Die klinische Bedeutung hängt unter anderem von Frequenz, Dauer, zugrunde liegender Herzerkrankung und Kreislaufwirkung ab.

5. Was ist eine Bradykardie?

Eine Bradykardie bezeichnet einen langsamen Herzschlag. Auch hier ist ein niedriger Puls nicht automatisch krankhaft.

Bei trainierten Menschen oder während des Schlafs kann die Herzfrequenz physiologisch niedriger sein.

Eine krankhafte Bradykardie kann beispielsweise mit Störungen des Sinusknotens oder der Erregungsleitung zwischen Vorhöfen und Kammern zusammenhängen.

Ist die Herzfrequenz für die Kreislaufbedürfnisse zu niedrig, können Beschwerden wie:

  • Schwindel,
  • Schwäche,
  • verminderte Belastbarkeit,
  • Benommenheit,
  • oder Synkopen

auftreten.

6. Was sind Extrasystolen?

Extrasystolen sind vorzeitig auftretende Herzschläge. Sie entstehen durch einen elektrischen Impuls außerhalb des erwarteten normalen Rhythmus.

Je nach Ursprung können unter anderem supraventrikuläre Extrasystolen und ventrikuläre Extrasystolen unterschieden werden.

Betroffene können Extrasystolen beispielsweise als:

  • „Herzstolpern“,
  • einen zusätzlichen Herzschlag,
  • eine kurze Pause,
  • oder einen besonders kräftigen folgenden Herzschlag

wahrnehmen.

Extrasystolen müssen im Kontext beurteilt werden

Vorzeitige Herzschläge können auch bei Menschen ohne bekannte Herzerkrankung auftreten. Häufigkeit, Beschwerden, EKG-Morphologie, Begleiterkrankungen und weitere klinische Befunde bestimmen, ob weitere Untersuchungen erforderlich sind.

7. Was ist Vorhofflimmern?

Vorhofflimmern ist eine wichtige supraventrikuläre Herzrhythmusstörung.

Beim normalen Sinusrhythmus breitet sich die elektrische Erregung koordiniert über die Vorhöfe aus.

Beim Vorhofflimmern ist die elektrische Aktivität der Vorhöfe dagegen ungeordnet. Die Vorhöfe kontrahieren dadurch nicht mehr in der normalen koordinierten Weise.

Normaler Sinusrhythmus

Sinusknoten
↓
koordinierte Vorhoferregung
↓
AV-Knoten
↓
koordinierte Kammererregung


Vorhofflimmern

ungeordnete elektrische Aktivität der Vorhöfe
↓
keine koordinierte Vorhofkontraktion
↓
unregelmäßige Überleitung zum Ventrikel
↓
häufig unregelmäßiger Puls

8. Wie entsteht Vorhofflimmern?

Vorhofflimmern hängt mit Veränderungen der elektrischen Aktivität und häufig auch der Struktur des Vorhofgewebes zusammen.

Abnorme elektrische Signale stören die koordinierte Aktivierung der Vorhöfe. Dadurch können zahlreiche ungeordnete elektrische Impulse entstehen.

Der AV-Knoten leitet nur einen Teil dieser Impulse an die Herzkammern weiter. Die Abstände zwischen den weitergeleiteten Impulsen können unregelmäßig sein.

Deshalb ist der Kammerpuls bei Vorhofflimmern typischerweise unregelmäßig.

abnorme Vorhofaktivität
↓
ungeordnete elektrische Impulse
↓
unregelmäßige AV-Überleitung
↓
unregelmäßige Kammeraktionen

9. Welche Symptome können Herzrhythmusstörungen verursachen?

Die Symptome einer Herzrhythmusstörung hängen von der Art der Arrhythmie, der Herzfrequenz, der Dauer und ihrer Wirkung auf den Kreislauf ab.

Mögliche Beschwerden sind:

  • Herzklopfen oder Palpitationen,
  • Herzrasen,
  • das Gefühl eines unregelmäßigen Herzschlags,
  • „Herzstolpern“,
  • Müdigkeit oder Schwäche,
  • Schwindel,
  • Benommenheit,
  • Atemnot,
  • Brustschmerzen oder Brustbeschwerden,
  • Synkope beziehungsweise Bewusstlosigkeit.
Herzrhythmusstörungen können symptomlos sein

Das Fehlen von Beschwerden schließt eine Arrhythmie nicht aus. Insbesondere Vorhofflimmern kann bei manchen Menschen ohne deutlich wahrnehmbare Symptome auftreten und beispielsweise bei einer Untersuchung oder EKG-Aufzeichnung entdeckt werden.

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10. Welche Ursachen und Risikofaktoren gibt es?

Herzrhythmusstörungen können durch zahlreiche Faktoren verursacht oder begünstigt werden.

Mögliche Zusammenhänge bestehen unter anderem mit:

  • koronarer Herzkrankheit,
  • früherem Herzinfarkt,
  • Herzinsuffizienz,
  • arterieller Hypertonie,
  • Herzklappenerkrankungen,
  • Kardiomyopathien,
  • angeborenen Herz- oder Reizleitungsstörungen,
  • Schilddrüsenerkrankungen,
  • Elektrolytstörungen,
  • bestimmten Medikamenten oder Substanzen.

Risikofaktoren für Vorhofflimmern

Zu den bekannten Faktoren, die mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern verbunden sein können, gehören unter anderem:

  • zunehmendes Lebensalter,
  • arterielle Hypertonie,
  • koronare Herzkrankheit,
  • Herzinsuffizienz,
  • Herzklappenerkrankungen,
  • Diabetes mellitus,
  • Übergewicht beziehungsweise Adipositas,
  • Schlafapnoe,
  • Schilddrüsenerkrankungen,
  • bestimmte Lebensstilfaktoren.

Die aktuellen europäischen Leitlinien betonen deshalb bei Vorhofflimmern nicht nur die Behandlung des Rhythmus, sondern auch die konsequente Behandlung relevanter Begleiterkrankungen und Risikofaktoren.

11. Warum ist Vorhofflimmern klinisch wichtig?

Vorhofflimmern ist nicht nur eine Störung des Herzrhythmus. Es kann mit wichtigen klinischen Komplikationen verbunden sein.

Dazu gehören insbesondere:

  • Schlaganfall und andere thromboembolische Ereignisse,
  • Verschlechterung oder Entwicklung einer Herzinsuffizienz,
  • verminderte körperliche Belastbarkeit,
  • Beeinträchtigung der Lebensqualität,
  • bei anhaltend hoher Herzfrequenz mögliche Beeinträchtigung der Herzfunktion.

12. Warum erhöht Vorhofflimmern das Schlaganfallrisiko?

Beim Vorhofflimmern kontrahieren die Vorhöfe nicht mehr normal koordiniert.

Dadurch können Bedingungen entstehen, die eine Thrombusbildung im Herzen begünstigen.

Löst sich ein solcher Thrombus, kann er mit dem Blutstrom in eine Arterie gelangen.

Verschließt er ein Blutgefäß im Gehirn, kann ein ischämischer Schlaganfall entstehen.

Vorhofflimmern
↓
gestörte Vorhofmechanik
↓
Begünstigung einer Thrombusbildung bei gefährdeten Personen
↓
Embolisation
↓
möglicher Gefäßverschluss im Gehirn
↓
ischämischer Schlaganfall

Das Schlaganfallrisiko ist individuell

Nicht jede Person mit Vorhofflimmern hat dasselbe thromboembolische Risiko. Alter, Begleiterkrankungen und weitere klinische Faktoren werden bei der individuellen Risikobeurteilung berücksichtigt. Daraus ergibt sich unter anderem, ob eine orale Antikoagulation medizinisch angezeigt ist.

13. Wie werden Herzrhythmusstörungen diagnostiziert?

Die Diagnostik beginnt üblicherweise mit einer gezielten Anamnese und klinischen Untersuchung.

Dabei können beispielsweise folgende Fragen relevant sein:

  • Welche Beschwerden treten auf?
  • Wann beginnen und enden sie?
  • Treten sie plötzlich oder allmählich auf?
  • Wie lange dauern die Episoden?
  • Bestehen bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
  • Welche Medikamente werden eingenommen?
  • Gab es Schwindel oder Bewusstlosigkeit?

Je nach klinischer Situation können anschließend unterschiedliche Untersuchungen eingesetzt werden.

Untersuchung Allgemeiner Zweck
12-Kanal-EKG Elektrische Herzaktivität und Rhythmus beurteilen
Langzeit-EKG Intermittierende Arrhythmien über längere Zeit erfassen
Ereignisrekorder / Loop Recorder Seltene oder schwer erfassbare Rhythmusereignisse dokumentieren
Blutuntersuchungen Zum Beispiel Elektrolyte und Schilddrüsenparameter beurteilen
Echokardiographie Struktur und Funktion des Herzens untersuchen
Elektrophysiologische Untersuchung Elektrische Eigenschaften und bestimmte Arrhythmiemechanismen genauer untersuchen

14. Welche Rolle spielt das EKG?

Das Elektrokardiogramm (EKG) zeichnet die elektrische Aktivität des Herzens auf und gehört zu den wichtigsten Untersuchungen bei Verdacht auf eine Herzrhythmusstörung.

Im EKG können unter anderem beurteilt werden:

  • Herzfrequenz,
  • Regelmäßigkeit des Rhythmus,
  • Vorhoferregung,
  • AV-Überleitung,
  • Kammererregung,
  • bestimmte Reizleitungsstörungen.

Warum reicht ein normales Ruhe-EKG manchmal nicht aus?

Einige Herzrhythmusstörungen treten nur episodisch auf.

Wird das EKG außerhalb einer solchen Episode aufgezeichnet, kann der Rhythmus zu diesem Zeitpunkt normal erscheinen.

Deshalb können bei intermittierenden Beschwerden längere Rhythmusaufzeichnungen sinnvoll sein, beispielsweise mit:

  • Langzeit-EKG,
  • Ereignisrekorder,
  • oder in ausgewählten Fällen implantierbaren Loop Recordern.

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15. Wie werden Herzrhythmusstörungen behandelt?

Die Behandlung hängt stark von der Art der Arrhythmie, ihrer Ursache, den Beschwerden, Begleiterkrankungen und dem individuellen Risiko ab.

Nicht jede Herzrhythmusstörung benötigt dieselbe Therapie. Mögliche Behandlungsansätze umfassen je nach Situation:

  • Behandlung einer zugrunde liegenden Ursache,
  • Behandlung relevanter kardiovaskulärer Risikofaktoren,
  • Medikamente zur Frequenz- oder Rhythmuskontrolle,
  • elektrische Kardioversion,
  • Katheterablation,
  • Herzschrittmacher,
  • implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren bei bestimmten Indikationen,
  • bei Vorhofflimmern gegebenenfalls eine Antikoagulation zur Schlaganfallprävention.

Frequenzkontrolle

Bei bestimmten Arrhythmien kann das therapeutische Ziel darin bestehen, eine unangemessen hohe Herzfrequenz zu kontrollieren.

Rhythmuskontrolle

Bei einer Rhythmuskontrolle wird versucht, einen normalen beziehungsweise Sinusrhythmus wiederherzustellen oder langfristig zu erhalten.

Kardioversion

Eine Kardioversion kann bei ausgewählten Arrhythmien eingesetzt werden, um einen normalen Herzrhythmus wiederherzustellen. Sie kann je nach Situation medikamentös oder elektrisch erfolgen.

Katheterablation

Bei einer Katheterablation werden bestimmte Bereiche des Herzgewebes, die an der Entstehung oder Aufrechterhaltung einer Arrhythmie beteiligt sind, gezielt behandelt.

Herzschrittmacher

Ein Herzschrittmacher kann bei bestimmten symptomatischen Bradykardien oder Reizleitungsstörungen erforderlich sein.

Antiarrhythmika nicht eigenständig einnehmen oder verändern

Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen haben unterschiedliche Wirkmechanismen, Gegenanzeigen und mögliche Nebenwirkungen. Einige können selbst Rhythmusstörungen begünstigen. Auswahl und Dosierung gehören deshalb in medizinische Hände.

16. Vorhofflimmern und das AF-CARE-Konzept

Die ESC-Leitlinie 2024 zum Vorhofflimmern beschreibt einen strukturierten Ansatz, der als AF-CARE bezeichnet wird.

Das Konzept verdeutlicht, dass die Behandlung von Vorhofflimmern nicht nur aus der Kontrolle des Herzrhythmus besteht.

Buchstabe Bereich Grundgedanke
C Comorbidity and risk factor management Begleiterkrankungen und Risikofaktoren erkennen und behandeln
A Avoid stroke and thromboembolism Individuelles thromboembolisches Risiko beurteilen und Schlaganfälle vermeiden
R Reduce symptoms by rate and rhythm control Symptome durch geeignete Frequenz- und Rhythmuskontrolle reduzieren
E Evaluation and dynamic reassessment Regelmäßig und individuell neu beurteilen

Dieser Ansatz macht deutlich, dass Vorhofflimmern dynamisch betrachtet werden muss. Risikofaktoren, Symptome und thromboembolisches Risiko können sich im Verlauf verändern.

17. Herzrhythmusstörungen leichter lernen

Für die medizinische Ausbildung ist es hilfreich, bei jeder Arrhythmie dieselben grundlegenden Fragen zu stellen.

Die 6-Fragen-Methode

  1. Wo entsteht die Arrhythmie? – Vorhof, AV-Knoten oder Ventrikel?
  2. Wie ist die Frequenz? – Schnell, langsam oder variabel?
  3. Wie ist der Rhythmus? – Regelmäßig oder unregelmäßig?
  4. Welche Symptome entstehen? – Palpitationen, Schwindel, Atemnot, Synkope?
  5. Welche Risiken bestehen? – Zum Beispiel Thromboembolie oder hämodynamische Instabilität?
  6. Welche Therapieprinzipien gibt es? – Ursache behandeln, Frequenz/Rhythmus kontrollieren oder spezifische Verfahren einsetzen?

Vorhofflimmern als Lernkette

ungeordnete Vorhofaktivität
↓
unregelmäßige Überleitung
↓
unregelmäßiger Herzrhythmus
↓
mögliche Symptome
+
thromboembolisches Risiko
↓
Risikobeurteilung + Frequenz-/Rhythmuskontrolle + Verlaufskontrolle

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Häufige Fragen zu Herzrhythmusstörungen

Was ist eine Herzrhythmusstörung?

Eine Herzrhythmusstörung oder Arrhythmie ist eine Störung der Herzfrequenz oder des Herzrhythmus. Das Herz kann zu schnell, zu langsam oder unregelmäßig schlagen.

Was ist Vorhofflimmern?

Vorhofflimmern ist eine supraventrikuläre Arrhythmie mit ungeordneter elektrischer Aktivität der Vorhöfe. Dadurch kontrahieren die Vorhöfe nicht mehr normal koordiniert und der Kammerpuls ist häufig unregelmäßig.

Wie fühlt sich Vorhofflimmern an?

Mögliche Beschwerden sind Herzklopfen, Herzrasen, Müdigkeit, Atemnot, Schwindel oder Brustbeschwerden. Vorhofflimmern kann jedoch auch ohne wahrnehmbare Symptome auftreten.

Was ist der Unterschied zwischen Tachykardie und Bradykardie?

Tachykardie beschreibt einen beschleunigten, Bradykardie einen langsamen Herzschlag. Ob eine bestimmte Herzfrequenz krankhaft ist, hängt vom klinischen Kontext und weiteren Faktoren ab.

Was sind Extrasystolen?

Extrasystolen sind vorzeitig auftretende zusätzliche Herzschläge. Sie können supraventrikulären oder ventrikulären Ursprungs sein und werden manchmal als Herzstolpern wahrgenommen.

Warum ist Vorhofflimmern mit einem Schlaganfallrisiko verbunden?

Die gestörte Vorhofmechanik kann bei gefährdeten Personen die Bildung von Blutgerinnseln begünstigen. Gelangt ein solches Gerinnsel in ein Hirngefäß, kann ein ischämischer Schlaganfall entstehen.

Wie erkennt man Vorhofflimmern im EKG?

Die Diagnose wird anhand einer EKG-Aufzeichnung gestellt. Fachpersonen beurteilen dabei charakteristische Veränderungen der Vorhofaktivität und des Kammerhythmus. Eine genaue EKG-Interpretation sollte im klinischen Kontext erfolgen.

Wie werden Herzrhythmusstörungen behandelt?

Die Behandlung hängt von Art, Ursache und klinischer Bedeutung der Arrhythmie ab. Möglich sind unter anderem die Behandlung zugrunde liegender Erkrankungen, Medikamente, Kardioversion, Katheterablation oder implantierbare Geräte.

Fazit

Herzrhythmusstörungen entstehen, wenn die normale elektrische Reizbildung oder Reizleitung des Herzens verändert ist. Dadurch kann das Herz zu schnell, zu langsam oder unregelmäßig schlagen.

Zu den wichtigen Formen gehören Tachykardien, Bradykardien, Extrasystolen sowie supraventrikuläre und ventrikuläre Arrhythmien.

Eine besonders wichtige Arrhythmie ist das Vorhofflimmern. Dabei ist die elektrische Aktivität der Vorhöfe ungeordnet und der Herzrhythmus häufig unregelmäßig. Neben möglichen Beschwerden ist vor allem das individuell unterschiedliche Risiko für Thromboembolien und Schlaganfälle klinisch relevant.

Das EKG ist eine zentrale diagnostische Methode. Bei intermittierenden Arrhythmien können längere Rhythmusaufzeichnungen erforderlich sein.

Die Behandlung richtet sich nach Art und Ursache der Arrhythmie, Symptomen, Begleiterkrankungen und individuellen Risiken und kann von Risikofaktormanagement und Medikamenten bis zu Kardioversion, Katheterablation oder implantierbaren Geräten reichen.

Kardiovaskuläre Erkrankungen weiterlernen

Dieser Artikel ist Teil unseres deutschsprachigen Lernclusters über kardiovaskuläre Erkrankungen.

→ Kardiovaskuläre Erkrankungen: Arten, Symptome, Risikofaktoren und Prävention

→ Koronare Herzkrankheit (KHK): Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung

→ Herzinsuffizienz: Symptome, Ursachen, Formen und Behandlung

→ Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Risiken, Folgen und Prävention

→ Zum medizinischen Wissenszentrum

Medizinische Quellen und weiterführende Literatur

Die medizinischen Grundlagen dieses Lernartikels orientieren sich unter anderem an folgenden Fachquellen:

  1. European Society of Cardiology (ESC) – 2024 Guidelines for the Management of Atrial Fibrillation. Aktuelle europäische Leitlinie zum Management von Vorhofflimmern, einschließlich AF-CARE, Schlaganfallprävention sowie Frequenz- und Rhythmuskontrolle.
    ESC – 2024 Atrial Fibrillation Guidelines
  2. European Society of Cardiology – 2024 Pocket Guidelines on Atrial Fibrillation. Kompakter Leitlinienüberblick mit AF-CARE, Schlaganfallprävention, Frequenzkontrolle, Rhythmuskontrolle und Verlaufskontrolle.
    ESC – Pocket Guidelines Atrial Fibrillation
  3. National Heart, Lung, and Blood Institute (NHLBI) – Arrhythmias. Grundlagen zu Herzrhythmusstörungen, Herzfrequenz und möglichen Komplikationen.
    NHLBI – Arrhythmias
  4. NHLBI – Arrhythmias: Diagnosis. Informationen über EKG, Langzeitmonitoring, Blutuntersuchungen, Herzbildgebung und elektrophysiologische Untersuchungen.
    NHLBI – Arrhythmia Diagnosis
  5. NHLBI – Atrial Fibrillation. Überblick über Vorhofflimmern, Symptome, mögliche Komplikationen und Behandlungsprinzipien.
    NHLBI – Atrial Fibrillation
  6. NHLBI – Atrial Fibrillation: Causes and Risk Factors. Informationen über elektrische Veränderungen des Herzens sowie Risikofaktoren für Vorhofflimmern.
    NHLBI – Atrial Fibrillation Causes
  7. NHLBI – Atrial Fibrillation: Treatment. Überblick über Schlaganfallprävention, Frequenzkontrolle, Rhythmuskontrolle, Medikamente und interventionelle Verfahren.
    NHLBI – Atrial Fibrillation Treatment

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen medizinischen Aus- und Weiterbildung und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Herzrhythmusstörungen können unterschiedliche Ursachen und Risiken haben. Diagnose, EKG-Interpretation, Schlaganfallrisikobewertung und Therapie sollten durch qualifizierte medizinische Fachpersonen erfolgen. Medikamente einschließlich Antiarrhythmika oder Antikoagulanzien dürfen nicht aufgrund dieses Artikels begonnen, abgesetzt oder verändert werden. Bei starken Brustschmerzen, schwerer Atemnot, Bewusstlosigkeit, Kreislaufstillstand oder plötzlich auftretenden neurologischen Ausfällen sollte unverzüglich der örtliche Rettungsdienst verständigt werden.

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